Beziehung zu Gott pflegen als Mama

In den letzen Wochen erreichten mich gleich verschiedene Anfragen, wie man es schaffen kann, als Mama in der Kleinkindphase die Beziehung zu Gott zu pflegen.

Die kurze Antwort

Die kurze (und nicht sehr ermutigende) Antwort ist: schwierig.

Damit es nicht ganz so entmutigend bleibt, darfst du jedoch gerne die ausführlichere Antwort lesen ;-).

Die ausführlichere Antwort

Ich bleibe jedoch auch bei der ausführlichen Antwort dabei: Die Gottesbeziehung mit kleinen Kindern zu leben, kann (besser: wird!), eine Herausforderung sein. Wenn ich zurückschaue, ist dies wahrscheinlich bis jetzt die Phase in meinem Leben, wo das Gestalten der eigenen Beziehung zu Gott am schwierigsten war.

So vieles verändert sich, wenn man Mama wird. Oft nicht von heute auf morgen. Aber je mobiler das Kind und je kürzer die Ruhepausen von eben solchem, desto schwieriger lässt sich der eigene Freiraum gestalten. Und aus eigener Erfahrung muss ich zugeben, dass dann, wenn die kleinen Racker mal schliefen, ich die Gunst der Stunde nutzte, um es ihnen gleichzutun. Und mich nicht noch zu einer Bibelstudy aufraffen konnte, die mehr als 2 meiner Hirnzellen in Beschlag zu nehmen drohte.

Ich struggelte oft damit, fokussiert zu beten. Bibel zu lesen. Aus Zeitmangel. Und wegen akuter Stilldemenz und Müdigkeit. Ja, sogar der Besuch von einem Gottesdienst war teils mehr ein Kraftakt, als Erholung. Und wenn ich dann in der Kirchenbank sass, und die Kinder abgegeben hatte (bless the Chinderhüeti!), genoss ich ehrlich gesagt einfach mal die Ruhe. Die Gemeinschaft danach, die mir wichtig gewesen wäre, fiel oft ins Wasser, da manchmal an jedem Hosenbein ein hungriges Kind zerrte.

Ich fühlte mich, als würde ich es nicht auf die Reihe kriegen. Wurde dabei oftmals weder den Kids, mir, geschweige denn Gott gerecht. Fühlte mich schuldig. Und schämte mich.

Anerkennen der Tatsachen

Was ich sagen möchte: ja, es ist in der Tat eine Herausforderung.

Eine, die unter Umständen andauert. Und ein Umdenken erfordert. Dahin, dass Zeit mit Gott nicht etwas ist, was ich abliefern «muss», um ihm zu gefallen. Sondern etwas das ich «darf», um näher in seine Gegenwart zu kommen. Die schlussendlich ein riesiger Gewinn werden kann.

Vielleicht erfordert es eine Anpassung von eigenen Erwartungen. Gegen unten. Aber genau in dieser Tiefe kann Gott uns dann auch echt und ehrlich begegnen.

Mir wurde in diesem Zusammenhang Hagar wichtig. Eine Mutter in Not, die in der Wüste zu Gott schreit. Ehrlich vor ihn kommt. Ihr Herz ausschüttet. Sich unverstanden und allein fühlt. Das war wohl eher ein Stossgebet. Keine Einbettung in ein fancy Gebetstreffen, umrahmt mit schöner Worship Musik. Es war einfach Hagar. In der tiefsten Wüste von ihrem Leben. Schwanger. Allein.

Eine Mutter in Not

Hagar hatte dann Begegnung mit einem Engel, die sie dazu veranlasste, Gott den Namen «El Roi» zu geben. El Roi. Der Gott, der (mich) sieht.

Da nannte sie (Hagar) den Namen des HERRN, der zu ihr gesprochen hatte: Du bist El-Roi – Gott schaut auf mich. (1. Mose 16,13)

Das ist das einzige Mal in der gesamten Bibel, dass Gott mit diesem Namen angesprochen wird. Und dieser eine Vers wurde mir zur Stütze.

Gott sieht. Mich als Mama. In meiner Not. Er sieht meine Kinder. Meine Umstände. Und ich bin überzeugt, dass er dies mit liebenden Augen tut.

Manchmal musste dieses Wissen, dieses Vertrauen, ausreichen und mich über Wochen hindurch tragen.

Meine Learnings aus der Kleinkinder Zeit

Ich teile gerne einige Grundsätze, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe,  in der Hoffnung, dass sie euch entlasten.

  1. Mama sein von Kleinkindern kann sehr einsam sein, auch wenn ja ständig jemand um einen rumwuselt. Auch in Bezug auf die Gottesbeziehung. Dies darf man einfach mal anerkennen. Und so stehen lassen.
  2. Gleichzeitig bin ich nicht Opfer meiner Umstände. Ich darf Mama sein. Das ist ein riesiges Vorrecht. Ich darf kleine Menschen prägen, mit ihnen unterwegs sein und mit ihnen Zeit verbringen. Das ist ein Geschenk. Für das ich in erster Linie dankbar sein möchte. Das ist Lobpreis. Das ist Gemeinschaft leben, wie Gott sie sich vorgestellt hat. Mit seinen Geschöpfen. Meine Kinder sollen nicht die Ausrede dafür sein, dass ich weniger Zeit mit Gott verbringe. Sondern sie sollen mit ein Antrieb sein, mich von Gott leiten lassen zu wollen.
  3. Es gibt verschiedene Jahreszeiten im Leben. Im Hinblick auf die Gottesbeziehung kann die Kleinkindphase tatsächlich Winter bedeuten. Jetzt kommt die gute Nachricht: der Frühling wird wieder kommen. Es wird wieder mehr Möglichkeiten geben. Freiräume werden entstehen. Sich dies bewusst zu sein und bereits im Winter zu überlegen, wie man dann diese nächste Jahreszeit gestalten möchte, hilft. Konkret: ich LIEBE es, mir Zeit zu nehmen, um mit einer Bibelstudy in die Bibel einzutauchen. Dies lag in meinem Winter oft unter einer tiefen Schneedecke begraben und kam zu kurz. Aber ich entschied mich bereits dann, dass wenn der Schnee mal weg ist, dies etwas vom Ersten ist, was ich wieder regelmässig pflegen möchte. Ich bereitete mich im Winter schon auf den Frühling vor. Innerlich, wie auch konkret. Ich besorgte mir die gewünschte Lektüre. Kaufte ein schönes Notizheft. Und legte es in Sichtweite. Im Frühling dann aber die Prioritäten auch tatsächlich wieder bei Gott zu setzen, das liegt bei mir. Da habe ich durchaus eine Verantwortung.
  4. Mir half es, auch in dieser Kleinkind Phase kleine Oasen zu suchen, die machbar sind. Auch mit Kleinkind. Bei mir war das zum Beispiel ein Gebet auf einem Spaziergang mit dem Kinderwagen. Oder Worship bewusst zu hören und die Worte auf mich wirken zu lassen, während ich das Haus putzte, zum Einkaufen fuhr, oder Unterwäsche zusammenfaltete. Oder las den Kids Geschichten aus der Bibel vor und durfte entdecken, dass auch da ein tiefer Schatz verborgen liegt. Nicht nur für sie, sondern auch für mich (siehe den Beitrag «Als mich Ostern neu berührte»).
  5. Im Rückblick hat mich die Kleinkindphase demütiger gemacht. Dankbarer, Gott gegenüber. Weil ich so oft an Punkten war, an denen ich einfach funktionierte und nicht fähig war, selbst zu gestalten, wurde ich abhängiger. Und durfte dabei erfahren: Gott ist eben auch «El Roi», wenn ich nichts beizusteuern habe. Wenn ich mit leeren Händen vor ihm stehe. Mich sogar vielleicht als Versagerin fühle. Ich muss mich weder schuldig fühlen noch mich dafür schämen. Denn ich sehe mich leider oft anders, als Gott mich sieht. Ich rücke eher mein Versagen in den Vordergrund. Das, was mir wieder nicht gelungen ist. Aber Gott sieht dahinter. Er sieht den tieferen Grund. Er sieht, was ich tag täglich leiste. Was ich aufgebe. Was ich bin. Wie er mich gemacht hat. Und so komisch das nun vielleicht klingt: diese Erfahrung der Kleinkindphase mit allem Schwierigen, möchte ich nicht missen. Denn mein Vertrauen zu Gott durfte in dieser Zeit wachsen und Wurzeln schlagen. Und heute geniesse ich es umso mehr, dass ich wieder vermehrt Gestaltungsfreiraum habe.

Du bist genug. Gott sieht dich. Er ist «El Roi». Und er liebt dich.

Jetzt du!

Nutzt doch das Kommentarfeld, um eure Learnings zu teilen! Denn ich bin überzeugt: wir können voneinander profitieren. Und in der Einsamkeit, ein Stück Weg gemeinsam gehen.

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3 Antworten

  1. Merci für die Ermutigung! Ich höre christliche Hörbücher (Romane von Tracie Peterson auf Englisch)während dem Spielen oder Versuche einfach im Moment beim Putzen etc mit Gott zu sprechen oder gleich zu beten wenn ein Kind/(mit dem Kind)ein Bobo hat oder Sorgeli… Ich nenne das Alltagsglaube 🙂 Die Bibelstudy kommt dabei zu kurz dafür darf ich in anderem wachsen…. Danke fürs bloggen!!

    1. Danke für diesen Kommentar! Ja, das finde ich einen super Punkt mit dem „Alltagsglauben“. Vielleicht darf tatsächlich der in dieser Phase mehr wachsen und das ist ja total wertvoll:-).
      Liebi Grüess, janine

  2. Wie du das ja zum Teil auch beschrieben hast wurde bei mir in der Kleinkinderzeit ganz andere Aspekte des Glaubens spürbar und sichtbar. Eine wahnsinnige Dankbarkeit, Kinder zu haben. Gebete mit den Kindern. Kinderbibel vorlesen etc. Und das hat mir extrem viel Kraft gegeben. Aber genau, vieles andere kam natürlich zu kurz oder ich war viel zu erschöpft dazu.

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